Wir fordern im Rahmen des Bestandsschutzes die Rücknahme der Änderungen innerhalb des Flugerwartungsgebiets des Flughafens Stuttgart in Richtung Westen.


Protokoll aus unserer Veranstaltung im Januar 2012  :

  1. Die Geschäftsführung des Stuttgarter Flughafens bestreitet die Mehrbelastung durch Lärmimmissionen im Bereich Oberaichen, Musberg und Stuttgart- Vaihingen in den letzten Jahren.
    Auf welcher Grundlage, mit Hilfe welcher messbarer und nachweisbarer Daten wird diese Behauptung erhoben?

 

Da von der FSG niemand anwesend ist, springt Herr Liesche (RP) ein: Die FSG betreibt eine stationäre Messanlage, und hat eine mobile Messstation, die über die Fluglärmkommission bzw. die Stadt LE angefordert werden kann.

Hr. Henke: Beweispflicht ist beim Zustandsstörer.

Hr. Dr. Dahlheimer: FSG hat vermutlich gemessen. Die luftrechtliche Genehmigung enthält nur eine Beweispflicht, dass es nicht lauter wird als 1978, und das wird ein Mal pro Jahr gemessen. Er wird die Frage an die FSG weiterleiten. Messmethodisch gibt es das Einzelschallereignis und den Dauerschallpegel als Mittelungswert.

 

 

  1. Die Geschäftsführung des Stuttgarter Flughafens möge auf Grund messbarer Nachweise darlegen, wie sich das verfügte Tempolimit sowie die Veränderung des Drehpunktes auf die Lärmimmissionen im Bereich Oberaichen, Musberg und Stuttgart- Vaihingen auswirkt.

 

Hr. Dr. Dahlheimer: Wir müssen es bei der FSG abfragen.

Aus dem Publikum: Direkt unter dem Flugzeug, also in der Ideallinie über einen längeren Zeitraum messen!

 

 

  1. Die zuständige Genehmigungsbehörde für den Stuttgarter Flughafen möge eine klare rechtliche Stellungnahme abgeben, ob die Veränderungen des Flugerwar­tungsgebiets Richtung Westen analog § 16 Bundes- Immissionsschutzgesetz als eine wesentliche Änderung der bestehenden Betriebsgenehmigung anzusehen sind.

Hr. Henke ergänzt: Eine wesentliche Änderung kann zum Erlöschen der Genehmigung führen.

Hr. Dr. Dahlheimer: In der luftrechtlichen Genehmigung (des Landes) gibt es keine Bestandteile, die sich auf An- oder Abflüge beziehen. Die Flugrouten werden der Fluglärmkommission vorgelegt und später vom Bund festgelegt (Bundesamt für Flugsicherung).

 

(Anfrage von Kristin ans BAF blieb in der Sache bisher unbeantwortet, über BI neu stellen?)

 

  1. Wie und mit welchen Ergebnissen sind die Forderungen der Bürgerinitiative (Übergabe der Unterschriftenlisten im August 2011 an die Stadtverwaltung L-E) in der letzten Sitzung der Lärmschutz-kommission im November 2011 behandelt worden?

 

Hr. Otte: Es wurde über die Existenz der BI berichtet und die VA heute bekannt gemacht. Es gab keine weitere Behandlung

Hr. Klenk: Wir werden die Forderungen schriftlich über den Vorsitzenden Herrn Bohlay einbringen, die nächste Sitzung ist im Mai 2012.

 

(Wir müssen mal nachfassen und sagen, Oberaichen hat z.B. 2000 Einwohner, 600 Unterschriften sind X Prozent)

 

 

  1. Wir bitten um Übergabe der Karten des Flugerwartungsgebiets Richtung Westen in fortlaufender Folge seit 1999 bis zum aktuellen heutigen Stand.

Hr. Henke korrigiert die Frage aufgrund der vorausgegangenen Präsentation: Seit dem Jahr 1998.

Hr. Montag: Wir geben die Karten nur an die Fluglärmkommission. Ich muss klären, ob ich die Karten herausgeben kann. (Gelächter aus dem Publikum, da die Karte an die Wand gebeamt wurde).

Hr. Henke: Sitzung mag nicht-öffentlich sein. Ergebnis ist zu veröffentlichen.

Zwischenruf aus dem Publikum: Umweltinformationsgesetz gemäß EU!

Dr. Dahlheimer: Auch das Land hat große Probleme, an die Informationen der DFS heranzukommen.

Hr. Klenk will sich ebenfalls dafür einsetzen.

 

 

  1. Welche Maßnahmen plant die Geschäftsführung des Stuttgarter Flughafens zur Reduzierung des Fluglärms im Bereich Oberaichen, Musberg, Stuttgart- Vaihingen?

 

Hr. Henke erläutert, dass er Lärmschutz wie beim Brandschutz als Vorbeugung versteht, das andere ist dann die Brandbekämpfung.

Hr. Dr. Dahlbender: Fluglärm, Lärmschutz hat verschiedene Facetten. Lärmschutzzonen beschreiben den passiven Lärmschutz. AKtiver Lärmschutz: Flugzeuge werden leiser, dieser Effekt wird jedoch überlagert von der Zunahme der Flugbewegungen. Ständige Optimierung der Flugverfahren. Die FSG ist nur verantwortlich für den Betrieb am Boden. Für den Flugverkehr sind es DFS und der Bund.

 

 

  1. Wie ist der Stand der Aufstellung des Lärmaktionsplanes gemäß § 47d BImSchG? Termin hierfür war der 18. Juli 2008.

 

Hr. Liesche: RP will Vorschläge zum Lärmaktionsplan in diesem Frühjahr 2012 gegenüber der Öffentlichkeit präsentieren. Die Ausweisung der Lärmschutzzonen war dafür Voraussetzung (2010 als Rechtsverordnung des Landes erlassen). Die Vorgehensweise wurde mit der EU und dem Land abgestimmt. Fragen des Luftverkehrs sind im RP personell nicht abgedeckt (er macht ansonsten Straßenwesen und Verkehr), dafür ist die Umweltschutzabteilung zuständig.

Hr. Dr. Dahlheimer: Dafür ist in der neuen Landesregierung Frau Dr. Splett zuständig als Lärmschutzbeauftragte für das Land.

 

(Herr Liesche sagt, dass sie seit 2008 trotzdem nicht untätig waren. Ist dahingehend falsch, dass die EU-Vorgabe schon aus 1990 stammt, also das RP 18 Jahre untätig war)

 

 

  1. Die Stadt Leinfelden- Echterdigen hat 2009 von Prof. Dr. Koch im Rahmen des „Lärmaktionsplans“ die Empfehlung erhalten, den Abflug in westlicher Rich­tung höher und steiler gestalten und den Abdrehpunkt zum Anflugdrehkreuz wie früher praktiziert verlagern zu lassen.
    Hat die Stadt Leinfelden-Echterdingen diese Empfehlung in die Lärmschutz- kommission eingebracht und wie ist sie umgesetzt worden?

 

Hr. Otte: Es gibt ein früheres Gutachten zum Fluglärm von Prof. Koch, 2001 im Auftrag von LE. 2004 hat die Fluglärmkommission den Vorschlag einer Rückverlegung Böblingen einstimmig abgelehnt. 2006 bildete sich eine BI in Musberg, die dort danach veranlassten Messergebnisse sind allerdings nicht bekannt. 2007 befasste sich die Fluglärmkommission erneut damit, im Auftrag von Herrn Klenk, mit dem Wunsch, den Drehpunkt in Richtung Böblingen zu verschieben. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. 2009 erfolgte eine Optimierung der Abflugstrecken, und die Reduzierung auf 210 Knoten.

Hr. Otte bietet an, Messgeräte in Oberaichen aufstellen zu lassen.

 

(Hr. Otte hat möglicherweise mit dem Jahr 2004 eine andere Sache gemeint, da unser Problempunkt erst später verlegt wurde.)

 

 

 

Aus den Präsentationen der Referenten:          

 

Hr. Dr. Dahlheimer (Verkehrsministerium):

-          Luftverkehrsrecht ist Sache des Bundes bzw. der ICAO. Der Vollzug liegt bei Bund (Luftfahrtbundesamt, DAF, DFS) und beim Land

-          Per Rechtsverordnungen des Bundes werden die Flugrouten festgelegt (DAF), zusätzlich gibt es die Einzelweisungen der Fluglotsen (DFS)

-          Land ist in Bundesauftragsverwaltung tätig, d.h. die Verkehrsministerien der Länder und das Regierungspräsidium (Luftaufsicht), daher ist dort auch der Lärmschutzbeauftragte angesiedelt.

-          Das Land erteilt die luftrechtliche Genehmigung (z.B. Betriebszeiten, ALSO z.B. Nachtruhe!)

-          Das Land organisiert die Lärmschutzkommissionen (mit Gemeinden, Bürgervertretern)

 

Hr. Montag (DFS):

-          Informationen zu den Karten: DKB7B ist das Funkfeuer Dinkelsbühl.
Beschreibung des Abflugs von Piste 25 auf der Strecke DKB7B: „Auf Leitstrahl 253° vom Funkfeuer STG bis Entfernungsanzeige 5.6 Seemeilen von STG; Rechtskurve (Höchstgeschwindigkeit 210 Knoten bis der Kurs über Grund von 340° erflogen ist), auf Kurs über Grund von 340°; erfliegen des Leitstrahl 234° vom Funkfeuer LBU zum Funkfeuer LBU (
D); Rechtskurve, auf Leitstrahl 067°von LBU / Leitstrahl 247° von DKB auf DKB (D).“

-          Fly by (weiß), Fly over (schwarz, muss überflogen werden). „Props“ heißt Propellerflugzeuge

-          „Toleranzgebiet“ anstelle von Flugerwartungsgebiet oder Korridor. Eine „Flugabweichung“ ist es bereits dann, wenn der Pilot von der Ideallinie abweicht.

-          Ideallinie soll möglichst zwischen den Ortschaften liegen (ABER: Westdrift des Lärms)

-          Veränderungen seit 1998:
05.11.1998: Einführung der FMS-Wegpunkte, Hinterlegung der Abflugstrecken mit Overlay-Verfahren. Bei Nutzung der FMS-Verfahren ist eine Konzentration auf die Ideallinie erkennbar. Das erbrachte ab circa 2000 eine Verschiebung in Richtung Böblingen.
25.01.2001: Verlegung des Drehpunktes auf 4 DME SGD, um 0,5 Meilen (900m) in Richtung Osten. Ideallinie der Abflugstrecke damit auf die Mitte des Waldgebietes zwischen Böblingen/Sindelfingen und Musberg/Vaihingen verschoben.
(Aber vorherrschende Windrichtung und Westdrift des Schalls bleibt in dieser Mittellage unberücksichtigt, das ist ein systematischer Fehler im Hinblick auf die Immissionen!)
2002: Neuer Drehpunkt der konventionellen Beschreibung bei 4.2 DME SGD
26.10.2006: Inbetriebnahme des Drehfunkfeuers STG am Flughafen als Ersatz für das bisherige ungerichtete Funkfeuer bei Steinenbronn. Die Abflugstreckenbeschreibung wird umgestellt auf VOR/DME STG, die Streckenführung ändert sich nicht. Neuberechnung des Flugerwartungsgebiets auf Basis der VOR/DME.
14.02.2008: Festlegung des Drehpunkts DS050 als „Fly-over-waypoint“. Grund: Geänderte Startverfahren mit höheren Geschwindigkeiten im Abflug und dadurch früheres Einleiten der Kurve, Flugzeuge auf Kurveninnenseite näher an Musberg.
12.02.2009: Einführung der Höchstgeschwindigkeit von 210 Knoten im Kurvenflug. Durch Festlegung des Drehpunkts (?? von welchem?) als „Fly-over-waypoint“ erneute Verschiebung in Richtung Böblingen. Grund: Höhere Geschwindigkeit im Abflug als für die Planung der Kurve zugrunde gelegte Geschwindigkeit.
Geplant ab 26.07.2012: Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit im Kurvenflug auf 230 Knoten. Beibehaltung der Mittellinie der Abflugstrecke durch Erhöhung der Querneigung auf maximal 25°.

(Verlegt wurde die Strecke 2001/ 20002/2006, jeweils bei der Neuberechnung der Flugerwartungsgebiete)

 

Hr. Siefer (RP, seit 2007 Nachfolger von Hr. Greiner):

-          http://www.laermkarten.de

 

Hr. Liesche (RP):

-          Lärmschutzbereich bildet die Erwartungswerte für den Verkehr in 10 Jahren ab

 

 

Sonstiges aus der Veranstaltung:

 

-          Es waren rund 100 Zuhörer anwesend, mindestens 5 aus Vaihingen

-          Presse: Mindestens Filderzeitung und Regional-TV

-          Öffnung des Korridors um 15° bzw. auf 2 Meilen: Ist eine alte Vorschrift, die aber noch gilt (weil auch noch Funknavigation zulässig).

-          Ausnahmegenehmigungen tagsüber: 1. Sicherheit des Flugs, 2. Flüssigkeit des Verkehrs, 3. Lärmschutz. Nachts: 1. Sicherheit des Flugs, 2. Lärmschutz. Propellerflugzeug z.B. für Vermessung Funkfeuer: muss nachts sein, weil Funkfeuer zwischendurch abgestellt wird, Propellerflugzeug darf nachts immer, keine Ausnahme erforderlich.

-          Start: Powersetting, welche Klappenstellung ist sinnvoll?

-          Herr Montag verfügt über regelmäßige Aufzeichnungen, auch über Flughöhen. Herr Dr. Dahlheimer will sich dafür verwenden, die Flugbewegungen der letzten 10 Jahre einzusehen.

-          Hinweis aus dem Publikum (Musberg): Nicht nur Lärm, auch Luftverschmutzung!

-          Herr Siefers Selbstverständnis: Mittler zwischen allen Beteiligten sein.

-          Weitere offene Fragen, an wen können wir uns wenden? Herr Klenk sagt Koordination durch die Stadtverwaltung zu.



Chronologischer Ablauf der Veränderung

die zum Nachteil der Bürger in Oberaichen, Musberg und Vaihingen führten.

Es ist keine Lösung den Fluglärm zu "verschieben" um  an andere Stelle

eine neue Betroffenheit herbeizuführen.

Deshalb fordern wir die Rücknahme der Veränderungen.

 

November 2013 wurde die Geschwindikeit erhöht.

In Echterdingen konnte eine spürbare Verbesserung bemerkt werden, in

Oberaichen und Vaihingen gibt es keine positiven Veränderungen.

 

Geplant ab 26.07.2012 Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit im Kurvenflug auf 230 Knoten. Beibehaltung der Mittellinie der Abflugstrecke durch Erhöhung der Querneigung auf maximal 25°.
Herr Montag, DFS,  erklärt, dass dann die Ideallinie 50m näher an Oberaichen/Musberg/Vaihingen ist.

 

Stand Mai 2012 gibt es eine Verschiebung auf September,

dafür kommt die Ideallinie 200 m  näher an Vaihingen !!

 

weitere Erklärung :
Bei 210 Knoten sind außerdem noch "Klappen" ausgefahren, die mehr Lärm erzeugen. Bei 230 Knoten können die Klappen eingefahren werden was zu einer Lärmminderung beiträgt.


12.02.2009 Einführung der Höchstgeschwindigkeit von 210 Knoten im Kurvenflug. Durch Festlegung des Drehpunktes als "fly-over-waypoint" erneute Verschiebung der Abflüge in Richtung Westen. Grund: Höhere Geschwindigkeiten im Abflug als die für die Planung der Kurve zugrundeliegende Geschwindigkeit.

 

14.02.2008 Festlegung des Drehpunktes DS050 als"fly-over-way-point", "Zwangsüberflugpunkt" Grund: geänderte Starverfahren, höhere Geschwindigkeiten im Abflug und dadurch früheres Einleiten der Kurve. Flugzeuge auf der Kurveninnenseite, näher an Musberg.

 

26.10.2006 Inbetriebnahme des Drehpunktfeuers STG am Flughafen als Ersatz für das bisherige ungerichtete Funkfeuer bei Steinenbronn. Die Abflugstreckenbeschreibung wird auf VOR/DME STG umgestellt, die Streckenführung ändert sich nicht. Neuberechnung der Flugerwartungsgebiete auf Basis der VOR/DME. Somit wird die Überfliegung  von Vaihingen in grossen Teilen legalisiert.

 

13.06.2002 Verlegung des Drehpunktes für nicht FMS-Verfahren um 0,2 Meilen, 360m nach Westen. Neuer Drehpunkt der konventionellen Beschreibung bei 4,2 DME SGD, für die FMS-Verfahren bleibt der Drehpunkt bei 4 DME SGD.


25.01.2001 Verlegung des Drehpunktes um 0,5 Meilen, 900m nach Osten,neuer Drehpunkt bei 4 DME SGD.

Vorher :in der Mitte des Waldgebietes zwischen Böblingen/Sindelfingen

Neue Ideallinie der Abflugstrecke nach dem Drehpunkt: nahe an Oberaichen,Musberg/Vaihingen verschoben

 

Kommentar: 2001 wurde der Drehpunkt zu unseren Ungunsten verlegt. (zuerst 900m nach Osten, dann 360m nach Westen) Jedoch konnte der Drehpunkt nicht immer überflogen werden. Durch das Tempolimit kann die Ideallinie, die ungünstiger für Oberaichen/Musberg/Vaihingen ist, eingehalten werden. Flugzeuge, die ein hohes Tempo haben, schießen über den Drehpunkt hinaus und sind näher an Böblingen. Außerdem hat das Tempolimit den Effekt der Bündelung, d.h. jetzt fliegen alle auf der für Oberaichen ungünstigen Idealline. Vor dem Tempolimit gab es eine Streuung. Da wurde mal links, mal rechts von der Ideallinie geflogen. Somit hat sich der Lärm unterschiedlich verteilt.

 

Erst im Laufe des Jahres 2000 ist eine Verschiebung der Abflüge in Richtung Westen, also Böblingen, erkennbar ("so die offizielle Begündung der Flugsicherung"  ) 

 

1998 Hinterlegung der Abflugstrecken mit Overlayverfahren

 Einführung der FMS-Wegpunkte, Abflugstrecken werden mit Wegpunkten im Overlay-Verfahren hinterlegt. Bei Nutzung der FMS-Verfahren Konzentration der Abflüge auf die Ideallinie.